Boccia, European Open Posen (Polen)

Schon weit fortgeschritten in diesem Jahr ging es zum ersten Weltranglistenturnier nach Posen.
Erstmals reisten wir zu dritt vom BRS Gersweiler auf ein internationales Boccia Turnier. Neu im Team Anita Raguwaran, die Ihre Klassifizierung in der vorgesehenen Handicapklasse BC4 bei diesem Turnier erlangen sollte.
So machten wir uns, Edmund Minas als Trainer, Anita Raguwaran und ich (Boris Nicolai) am Mittwochmorgen um 04:30 von Saarbrücken mit dem Kleinbus aus nach Polen. Die Fahrt gestaltete sich als zäh und mühsam. Für die knapp 1000 km brauchten wir 15 Stunden. Baustellen, Unfälle und Staus verlangsamten immer wieder unsere Fahrt.
Direkt aus dem Auto ging es abends gegen 19 Uhr zum ersten Training in die neu gebaute Turnhalle welche der technischen Universität angegliedert ist.
Beim Einspielen bekam ich ein gutes Gefühl für die Bälle und den schnellen und glatten Boden. Die Bälle liefen sehr gerade. Anita hatte mit der langen Autofahrt zunächst noch etwas zu kämpfen wurde aber nach und nach auch immer wurfsicherer.
Nach dem Training ging es ins Hotel, wo wir noch schnell uns am Buffet stärkten und dann auch schon bald Richtung Bett gingen, denn am nächsten Tag stand ein eng getakteter Zeitplan vor uns. Los ging es um 09 Uhr mit dem Equipment Check. Hier wurden unsere Bälle sowie Rollstühle kontrolliert. Erstmals wurde in Europa der neue Balltest angewandt. Zu weiche oder schlecht rollende Bälle dürfen ab sofort nicht mehr verwendet werden. Anita und ich mussten uns im letzten Monat auch an die neuen Bälle gewöhnen. Währenddessen ging es für Anita zur Klassifizierung. Diese verlief wie erhofft gut. Anita wurde in die gleiche Handicapklasse BC4 wie ich eingruppiert.
Um 10 Uhr ging es zu unserem zweiten Training. Danach die Eröffnungsveranstaltung. Bei dieser wurden 13 Mannschaften aus Europa begrüßt.
Die ersten Team und Pairs (Doppel) begannen an diesem Tag. Wir hatten unser erstes Spiel im Pairs (Doppel) gegen die Türkei, die erstmals bei einem Weltranglistenturnier an den Start gingen. Wir starteten in unserer eingespielten Aufstellung Bastian Keller (aus Markgröningen) und ich (Boris Nicolai vom BRS Gersweiler), Anita war zunächst Auswechselspielerin. Nach 2 Sätzen und einem Penalty Ball, den ich verwandeln konnte, stand es bereits 12:0. Anita wurde für mich eingewechselt. Die darauffolgenden beiden Sätzen verliefen ähnlich souverän, das Spiel endete mit einem Ergebnis von 19:0. Das zweite Spiel gegen Paralympics Teilnehmer und Achter der Weltrangliste Portugal sollte eine Standortbestimmung werden. Das Spiel verlief entsprechend knapp und auf gutem Niveau. Nach 4 Sätzen stand es 3:3. Der Ti Break musste die Entscheidung bringen. Diesen konnten wir für uns entscheiden und somit als Tabellenführer der Gruppe B gegen Tabellenzweiter der Gruppe A (Kroatien) antreten.
Im Halbfinale gegen Kroatien führten wir nach 2 Sätzen schon mit 5:0. Dann kam jedoch plötzlich eine Wendung im Spiel. So stark wie wir die ersten beiden Sätzen spielten konnten nun die Kroaten auftrumpfen, sodass es nach 4 Sätzen 5:5 stand. Es ging also wieder in die Verlängerung in den T Break. Das Momentum nach den 2 hintereinander verlorenen Sätzen war auf Seiten der Kroaten. Den T Break sowie das Match entschieden die Kroaten für sich und somit mussten wir im Spiel um Platz 3 gegen den aktuellen Paralympics-Sieger Slovakei ran. Diese Party verlief genauso spannend und kämpferisch um jeden Punkt wie die beiden Spiele zuvor. Leider hatten wir auch hier das nötige Quäntchen Glück nicht auf unserer Seite sodass die Partie mit 2:3 verloren ging. Unsere Endplatzierung war der vierte Platz für uns, unterm Strich hatten wir schon mit einem Podestplatz geliebäugelt. Es sollte aber nicht sein.
Das Finale bestritten Kroatien und Portugal, welches Portugal im T Break für sich entschied. Am dritten Spieltag begannen die Einzelbegegnungen schon um 09:30. Die Vorrunde wurde in sechs 3er Gruppen gespielt, danach die KO Runde mit ¼ Finale, ½ Finale, Finale.

Anita war als Neuling ungesetzt und bekam es in Ihrer Gruppe mit der guten Portugiesin Carla Oliveira, die zuvor im Pairs mit ihrem Partner gewann und dem Lokalmatador Andrzej Janowski aus Polen zu tun.
Das erste Spiel gegen die Portugiesin lief schleppend an. Gleich im ersten Satz konnte Carla Oliveira eine deutliche Führung erspielen. Für Anita ging es jedoch darum erste internationale Erfahrungen bei solch einem großen Turnier zu sammeln. Ihr zweites Spiel gegen den Polen verlief schon deutlich enger. Am Ende musste Sie sich jedoch mit 1:4 geschlagen geben.
Da nur die Gruppenersten sowie die besten zwei Zweitplatzierte das ¼ Finale erreichten war für Anita das Turnier nach der Vorrunde beendet.
Insgesamt war es für Anita jedoch ein positives Turnier, vor allem dass die internationale Klassifizierung in der Klasse BC4 bestand und Erfahrungen sammeln konnte.

In meiner Gruppe D, spielte ich gegen Melisa Osmanovic aus Kroatien und einem Newcomer aus Schweden Tobias Pettersson.
Im ersten Spiel gegen den Schweden tat ich mich schwer ins Spiel zu kommen. Jedoch blieb ich konzentriert und am Ende stand ein 5:0 Sieg auf meiner Seite.
Im zweiten Spiel gegen die starke Kroatin, die mit Ihrem Doppelpartner gegen uns im Halbfinale gewann, musste ich mich steigern. Ich fand gut ins Spiel, nach dem ersten Satz konnte ich 2 Punkte für mich verbuchen. Satz 2 und 3 verliefen eng, und gingen mit jeweils einem Punkt an mich. Es stand nach 3 Sätzen 4:0. Im letzten Satz gelang ihr wieder ein perfekter Anwurf. Ich beschloss zu blocken und ihr möglichst viel zu zu legen. Es gelangen ihr noch 2 Punkte, jedoch war mir der Sieg nicht mehr zu nehmen und ich konnte mich als Gruppenerster für das Viertelfinale qualifizieren.
Am Vierten und letzten Spieltag traf ich im Viertelfinale auf den Gruppenersten der Gruppe E den Lokalmatador Andrzej Janowski. Langsam merkte ich jetzt doch eine gewisse Müdigkeit im Körper. Durch die lange Zwangspause wegen gesundheitlichen Problemen im Vorfeld des Turniers war der Akku langsam leer. Das Spiel gegen den Polen konnte ich dennoch mit 5:3 gewinnen. Gleich darauf folgte das Halbfinale gegen den zur Zeit sehr stark spielenden Kroaten Davor Komar. Die Spannung aufrecht zu erhalten und mein Leistungspotential abzurufen gelang mir nicht mehr. Im Halbfinale sowie im Spiel um Platz 3 gegen den Portugiesen Manuel Cruz musste ich mich deutlich geschlagen geben. Platz 1 ging an den Kroaten Davor Komar, Platz 2 an Vieira Domingos und Platz 3 an Manuel Cruz jeweils aus Portugal.

Das Fazit für uns BRS Gersweiler:
Es war ein gelungenes Turnier für uns. Anita konnte erste Erfahrungen auf großer Bühne sammeln ebenso Ihre Klassifizierung in der Klasse BC4 erfolgreich bestehen.
Im Pairs (Doppel) verloren wir hauch dünn im Halbfinale sowie im Spiel um Platz 3. Mit etwas mehr Glück wäre ein Podestplatz locker dring gewesen.
Für mich im Einzel war der Vierte Platz bei 18 Teilnehmer ein Erfolg für mich. Wichtige Weltranglistenpunkte konnte ich mir erspielen und mit einem guten Gefühl nach Hause fahren. In 3 Wochen steht schon das nächste Turnier in Sevilla an. Diesmal ein World Open Turnier bei dem auch Konkurrenz aus Übersee zu erwarten ist.
Ein großer Dank geht auch an Edmund Minas, der Anita und mich stets als Assistenz sowie als Trainer unterstützt hat.